Marienkäfer bringen nicht nur Gärtnern Glück

Siebenpunkt-Marienkäfer
Beliebt bei Groß und Klein: der Siebenpunkt-Marienkäfer

Blattläuse im Blumenbeet oder Balkonkasten können so manchen Hobbygärtner zur Verzweiflung treiben. Hingebungsvoll wurden die Rosen gepflegt, bis Scharen der winzigen Schädlinge sich darüber hermachten - gelten die Blumen doch als besonderer Leckerbissen. Schlimmstenfalls wird der Plage mit Insektiziden zu Leibe gerückt, aber auch Brennnesseltee, Kaffeesatz oder Spülmittel werden gerne eingesetzt. Dabei ist die Lösung ganz einfach: Marienkäfer. Sie vertilgen je nach Art 50 bis über 200 Blattläuse täglich. Normalerweise finden sie sich bei einem ausreichenden Nahrungsangebot von allein im Garten ein, aber der Insektenschwund macht auch ihnen zu schaffen.

Merkmale

Asiatischer Marienkäfer
Asiatischer Marienkäfer

Die Namenspatronin des Marienkäfers ist die Jungfrau Maria. So hieß es einst, dass die hübschen Insekten in ihrem Auftrag Schädlinge verspeisten und die Menschen außerdem vor Hexen und Unheil schützten. Das Image des Glückskäfers ist bis heute geblieben, so ist die Familie der Marienkäfer (Coccinellidae) mit Abstand die beliebteste Käferart.

Weltweit wird von etwa 5.000 Arten ausgegangen, in Deutschland leben rund 80 davon. Am bekanntesten sind der Siebenpunkt-Marienkäfer, der Zweipunkt-Marienkäfer und der Asiatische Marienkäfer.

Marienkäfer haben die Form einer Halbkugel und werden bis zu 10 Millimeter groß. Unterseite, Brust und Kopf sind weitgehend schwarz, die Farbe der Flügeldecken ist rot, gelb, schwarz oder braun. Sie tragen meist zwei oder mehr Punkte, die symmetrisch angeordnet sind und deren Anzahl abhängig von der Art ist.

Der bekannteste Marienkäfer und klassische Glücksbringer ist dabei der Siebenpunkt. Er ist fünf bis acht Millimeter groß, hat einen pechschwarzen Kopf, rote Flügeldecken und sieben schwarze Punkte. Seine Larven haben eine schwarze Oberfläche sowie zwei orangefarbene seitliche Flecken. Der Zweipunkt ist kleiner und kommt sowohl rot mit schwarzen Punkten als auch schwarz mit roten Punkten vor. Einzelne Exemplare sind auch komplett schwarz ohne Punkte.

Der Asiatische Marienkäfer wurde zur Blattlausbekämpfung in Gewächshäusern nach Europa gebracht und verdrängt seitdem hier mehr und mehr die heimischen Arten. Er ist größer mit einem schwarz-weißen Kopf, Färbungen und Anzahl der Punkte variieren. Seine Larven sind schwarz mit einer Reihe von orangefarbenen Flecken an der Seite.

Lebensraum und Nahrung

Marienkäfer und Blattlaus
Ein Marienkäfer pirscht sich an eine Blattlaus heran

Besonders vielfältig und artenreich treten Marienkäfer laut Umweltbundesamt in wärmeren klimatischen Regionen wie Afrika, Asien, Amerika, Australien sowie Südeuropa auf. Aber auch in Deutschland leben etliche Arten. Sie bevorzugen die warmen Sommermonate und können dann im Garten beobachtet werden.

Sobald es kühler wird, beziehen sie ihre Winterquartiere, z. B. Laubhaufen im Garten, unter Steinen, alte Baumstümpfe, Spalten oder Ritzen in Mauern und Dachböden. Auch in der Nähe von Wohnungen schlüpfen sie manchmal unter. Typisch sind der Raum zwischen Doppelverglasungen oder Fensterrahmen.

Hier tun sie sich in kleinen und großen Gruppen von mitunter mehr als 100 Tieren zusammen und verfallen in eine Art Winterstarre. Um die kalte Jahreszeit zu überleben, greifen sie laut BUND dabei auf körpereigene Reserven wie Fett, Lipoide und Glykogen zurück, die sie sich in den letzten warmen Herbsttagen zugelegt haben.

Blattläuse sind die Leib- und Hauptspeise aller Marienkäfer. Ein klassischer Siebenpunkt schafft laut NABU täglich bis zu 150 davon, seine Larven – die deswegen auch Blattlauslöwen genannt werden – fressen jeweils 400 bis 600 Blattläuse in den drei Wochen bis zu ihrer Verpuppung. So können die Nachkommen eines Marienkäfers während eines Sommers bis zu 100.000 Blattläuse verputzen. Der Asiatische Marienkäfer und seine Larven schaffen sogar fast doppelt so viele – aus diesem Grund wurden sie auch nach Europa importiert. Werden die Blattläuse knapp, fressen Asiatische Marienkäfer und ihre Larven auch die Larven anderer Arten und Insekten.

Lebensweise und Fortpflanzung

Larve Marienkäfer
Larve eines Asiatischen Marienkäfers

Fast jeder hat schon einmal einen Marienkäfer auf die Hand genommen und das gelbliche Sekret bemerkt, das diese absondern. Tatsächlich produzieren sie dieses bei drohender Gefahr: Es riecht streng und ist auch giftig – allerdings nicht für uns Menschen. Vor allem soll es Ameisen vertreiben, die laut NABU Blattläuse beschützen und dabei auch Marienkäfer angreifen. Der Hintergrund: Ameisen und Blattläuse leben in einer Symbiose. Ameisen ernähren sich von dem süßen Ausscheidungsprodukt der Blattläuse, dem so genannten „Honigtau“. Um möglichst viel davon zu ergattern, schützen sie die Blattläuse vor Fressfeinden und transportieren sie auf frische Blätter.

Unabhängig davon, ob die Begattung im Herbst oder erst im Frühjahr stattfindet, werden die kleinen gelben Eier immer im Frühjahr an Zweigen oder Blattunterseiten abgelegt. Die Larven benötigen etwa eine Woche zum Schlüpfen; sobald sie genügend Blattläuse gefressen haben, findet die Verpuppung statt. Aus diesen Puppen schlüpfen dann die Marienkäfer, die zunächst gelb sind und nach einigen Stunden ihre endgültige Farbe annehmen.

Insbesondere der Asiatische Marienkäfer erreicht beeindruckende Quoten: Das Weibchen legt bis zu 3.500 Eier ab und wählt dafür Pflanzen, die reich an Blattläusen sind. Diese Larven schlüpfen bereits nach drei bis fünf Tagen und sind bereits nach zwei Wochen entwickelt. In dieser Zeit schafft jede von ihnen bis zu 1.200 Blattläuse.

Gefährdung und Gefahren

Flasche Insektizid
Insektizide schaden nicht nur Marienkäfern

Marienkäfer sind Teil der Nahrungskette und haben zahlreiche Fressfeinde, u. a. Vögel, Frösche, Wespen, Libellen oder Spinnen. Sie sind ungefährlich und unschädlich für Pflanzen, daher sollten sie nicht bekämpft werden. Auch der Einsatz von Insektiziden, z. B. gegen Blattläuse, schadet ihnen mit, da sie die Gifte beim Fressen aufnehmen. Einige Blattläuse sollten laut NABU im Garten toleriert werden, um das Überleben der Marienkäfer dauerhaft zu sichern. Wer Bedenken hat, ob deren Fähigkeiten ausreichen, kann z. B. auf Tees, Sud oder Kaffeesatz zurückgreifen.

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