Kiebitz: schick, charismatisch und bedroht

Kiebitz
Kiebitz-Männchen im schimmernden Prachtkleid

Nicht vielen Vögeln wird die Ehre zuteil, als „Vogel des Jahres“ ausgezeichnet zu werden. Der Kiebitz hat dies jedoch schon zweimal geschafft: Nach 1996 kürte der NABU ihn 2024 erneut zum Jahresvogel. Da die Bestände insbesondere durch die zunehmende Trockenlegung von Feuchtgebieten in den letzten Jahrzehnten dramatisch zurückgegangen sind, hatte man ihm den Wahlslogan „Wasser marsch!“ mit auf den Weg gegeben. Seinen Namen verdankt der Kiebitz übrigens seinem unverkennbaren Ruf „kie-wit“.

Merkmale

Kiebitz Flügel
Die Form der Flügel erinnert an große Lappen

Der Kiebitz (lateinisch: Vanellus vanellus) gehört zur Familie der Regenpfeifer, die wiederum zu den Wat-, Möwen- und Alkenvögeln zählt. Er ist rund 30 Zentimeter groß, vergleichbar mit einer Taube. Sein Federkleid weist einige unverwechselbare Merkmale auf: Die Oberseite ist schwarz, mit einem grünlich-violett schimmernden Metallglanz auf den mittleren Deckfedern.

Die Unterseite ist größtenteils weiß, weist aber ein schwarzes Brustband auf. Besonders auffällig ist die abstehende Federholle mit zwei lang zulaufenden Spitzen am Hinterkopf, die bei Männchen meist länger ist als bei Weibchen. Im Prachtkleid – also zur Paarungszeit – sind die Männchen außerdem intensiver gefärbt und die Holle ist noch etwas länger. Danach werden Alt- und Jungvögel wieder matter und die Holle wird kürzer.

Auch die breiten und runden - für einen Watvogel eher großen - Flügel sind charakteristisch, weswegen der Kiebitz laut NABU im Englischen „Lapwing“ heißt, was so viel bedeutet wie „Flügel an Lappen erinnernd“. Die Flügelspannweite liegt bei 67 bis 72 Zentimetern. In der Regel fliegt der Kiebitz eher ruhig mit lockeren Flügelschlägen. Vor allem in der Balzzeit neigen Männchen jedoch zu rasanten Flugmanövern, um die Weibchen zu beeindrucken. Deswegen heißt er auch „Gaukler der Lüfte“.

Lebensraum und Nahrung

Kiebitz und Nahrung
Ein Kiebitz verspeist einen Wurm

Von Skandinavien bis Nordafrika ist der Kiebitz weit verbreitet, vor allem in gemäßigten und mediterranen Zonen. Die nördlichsten Vorkommen befinden sich laut Bundesamt für Naturschutz dabei in Nordskandinavien und dem Nordwesten Russlands, die südlichsten in Spanien, der Türkei und dem Iran. Er bevorzugt offenes, flaches und feuchtes Dauergrünland, also Weiden, Moore, Flussniederungen und Überschwemmungsgebiete. Insbesondere das Feuchtgrünland geht in Deutschland jedoch seit Jahrzehnten durch Trockenlegungen zurück. Deswegen musste der Kiebitz sich neue Lebensräume wie z. B. Äcker und Wiesen suchen.

In Deutschland trifft man ihn nur noch selten, die dichtesten Bestände leben an der Westküste Schleswig-Holsteins und im Alpenvorland. Kleinere Vorkommen gibt es u. a. im Rhein-Main-Gebiet, dem Wetterau und Hessischen Ried sowie am Oberrhein und in Main- und Mittelfranken.

Hierzulande sind Kiebitze Teilzieher; ein Teil der Tiere überwintert also in Deutschland, wenn die Witterung relativ mild ist. Ein anderer Teil zieht in die Wintergebiete in Frankreich, Spanien, Großbritannien und den Niederlanden.

Insekten und Larven sind die Hauptnahrungsquelle des Kiebitz, er ernährt sich aber insgesamt vielseitig und verschmäht auch Regenwürmer, Samen und Früchte von Wiesenpflanzen sowie Getreidekörner nicht.

Lebensweise und Fortpflanzung

Kiebitz Küken
Kiebitz-Küken

Während der Brutzeit fallen Kiebitze durch rasante Flugmanöver auf: Sie drehen Schleifen über ihrem Revier, stürzen Richtung Boden und rufen dabei laut. In ihrem Balzverhalten tragen die Männchen außerdem besonders gerne dick auf: Um die Weibchen mit ihren Nestbauqualitäten zu beeindrucken, scharren sie kleine Mulden in den Boden und rupfen Gräser aus. Dieses Phänomen wird „Scheinnisten“ genannt.

Das tatsächliche Nest legen Weibchen ebenfalls in Bodenmulden an, meist ist es laut NABU umgeben von kurzer Vegetation. Hier legen sie in der Regel zwischen März und Juni vier Eier, die von beiden Partnern 26 bis 29 Tage ausgebrütet werden. Diese Eier galten früher übrigens als Delikatesse – heute ist zum Glück verboten, sie zu sammeln und zu essen.

Die Küken sind so genannte Nestflüchter, die bereits nach kurzer Zeit ihr Nest verlassen, in der ersten Woche jedoch immer wieder die Wärme ihrer Mutter suchen. Mit 35 bis 40 Tagen werden sie dann endgültig flügge. Kiebitze können übrigens bis zu 24 Jahre alt werden – Blaumeisen oder Rotkehlchen hingegen nur etwa fünf Jahre.

Gefährdung und Gefahren

Moor
Moore und Sümpfe werden zunehmen trockengelegt

Der Kiebitz gilt in Deutschland als stark gefährdet. Zuletzt wurden laut NABU nur noch 42.000 bis 67.000 Brutpaare gezählt. Dieser Trend ist leider das Ergebnis einer rapiden Abwärtsspirale, denn allein zwischen 1980 und 2016 ist seine Zahl um 93 Prozent zurückgegangen. In Europa sieht es nicht viel besser aus; hier haben sich die Bestände mehr als halbiert.

Hauptproblem ist – wie bei vielen anderen Arten auch – der Verlust des Lebensraumes. Feuchtwiesen wurden entwässert, Moore trockengelegt und die Landwirtschaft intensiviert. Eine frühe Mahd führt zu schnell wachsenden Pflanzen, die sich als Brutgebiete kaum eignen. Auch eine intensive Freizeitnutzung ursprünglicher Brutgebiete, z. B. durch Wanderer, stört die Vögel und trägt zu ihrer Gefährdung bei.

Natürliche Fressfeinde des Kiebitz sind der Rotfuchs und die Krähe. Beide gelten als Nesträuber, diese natürlichen Verluste konnte der Vogel jedoch stets kompensieren. Durch die Eingriffe des Menschen und den parallelen Anstieg der Rotfuchsbestände hat sich dieses Verhältnis jedoch ungünstig verschoben.

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