Falken: Greifvögel oder nicht?

Turmfalke
Turmfalke auf der Jagd

Sie gehören zu den Königen der Lüfte – neben Adler, Mäusebussard, Sperber, Habicht und Milan. Genau wie diese werden Falken als Greifvögel bezeichnet, obwohl sie Studien zufolge nicht mit ihnen verwandt sind. So gibt es einige deutliche Unterschiede, Falken töten z. B. ihre Beute nicht mit den Krallen sondern mit einem gezielten Biss.

Sie sind zwar in der Natur zuhause, gelten jedoch als angepasste Städter und nisten auch in bebauten Siedlungen, u. a. an Kirchtürmen oder Hochhäusern. Lange Zeit waren sie massiv gefährdet, da Falken früher als begehrte Jagdtrophäe galten und Pestizide einige Populationen in den sechziger Jahren regelrecht zusammenbrechen ließen. Mittlerweile haben sich die Bestände jedoch gut erholt. Fünf Arten können in Deutschland regelmäßig beobachtet werden.  

Turmfalke (Falco tinnunculus)

Turmfalke
Die häufigste Falkenart: der Turmfalke

Mit einer Größe von etwa 35 Zentimetern und einer Flügelspannweite von 75 Zentimetern gehört der Turmfalke hierzulande zu den kleineren Greifvögeln. Männchen und Weibchen sind anhand unterschiedlicher Färbungen erkennbar: Weibchen haben ein braunes Gefieder; Kopf, Rücken und Schwanz sind rotbraun mit dunklen Querbändern. Männchen haben eine rotbraune Oberseite mit schwarzen Rautenmustern, einen grauen Kopf und Schwanz sowie eine schwarze Endbinde; ihre Unterseite ist gelblich mit Längsstreifen und kleinen dunklen Flecken.

Turmfalken haben typischerweise lange spitze Flügel, charakteristisch ist außerdem ihr so genannter Rüttelflug. Bei der Suche nach Beute bleiben sie im Flug zehn bis 20 Meter über dem Boden durch schnellen Flügelschlag stehen. Sobald sie diese erspähen, sausen sie im Stoßflug darauf zu.

Lebensraum und Nahrung

Nach dem Mäusebussard ist der Turmfalke der am häufigsten vorkommende Beutegreifer in Mitteleuropa. Er ist außerdem die in Deutschland häufigste Falkenart und kommt in allen Bundesländern vor. Sein Lebensraum und Jagdgebiet sind Wiesen, Weiden und Felder in der Nähe von Siedlungen. Alte Nester von anderen Greifvögeln, Krähen, Eichhörnchen oder Nistkästen dienen ihm als Brutplätze, er nutzt aber auch alte Bäume oder Gebäude sowie Kirchtürme.  Turmfalken bauen keine eigenen Nester.

Seine Hauptnahrung sind kleine Säugetiere, insbesondere Mäuse, die im Rüttelflug gesucht werden. Er hat außerdem die Fähigkeit, ultraviolettes Licht zu sehen und damit den Kot und Urin seiner Beutetiere. So kann er leicht ihre Spur aufnehmen. Je nach Mäusevorkommen können die Bestände des Turmfalken stark schwanken.

Lebensweise und Fortpflanzung

Turmfalken sind monogam und nach einem Jahr geschlechtsreif. Im Februar oder März sichern sie sich ihr Brutrevier – entweder das Nest eines anderen Vogels oder eine Mulde. Zwischen Mitte April und Mitte Mai legt das Weibchen dort vier bis sechs Eier, die sie 29 Tage lang ausbrütet. Die Jungen werden nach dem Schlüpfen noch etwa vier Wochen lang im Nest versorgt. Dann werden sie flügge, aber noch weitere vier Wochen von ihren Eltern begleitet.

Gefährdung und Gefahren

Der Turmfalke gehört national und international zu den streng geschützten Vogelarten, er gilt aktuell als nicht gefährdet. Gefahren lauern vor allem im Straßen- und Eisenbahnverkehr, auch Scheibenanflüge kommen vor. Früher galt er als begehrte Jagdtrophäe, heute wird er nur noch in Einzelfällen illegal gejagt. Die moderne Landwirtschaft und der Einsatz von Pestiziden wirken sich auf seinen Lebensraum - sowie auf den seiner Beutetiere - aus.

Baumfalke (Falco subbuteo)

Baumfalke
Der Baumfalke ist der zweithäufigste Falke in Deutschland

Mit einer Größe von 30 bis 36 Zentimetern und einer Flügelspannweite von 74 bis 84 Zentimetern ist der Baumfalke ein eher kleiner Falke. Im Vergleich zum Turmfalken hat er laut NABU im Flug längere, schmalere und seglerartige Flügel und einen kürzeren Schwanz, der im Sitzen nicht über die Flügelspitzen hinausragt.

Seine Oberseite ist schiefergrau, die Unterseite hell mit dunklen Streifen oder Stricheln. Charakteristisch ist die rote „Hose“, seine Beine tragen rotes Gefieder. Der Kopf ist weiß mit einer schwarzen Kappe und dunklen Bartstreifen. Baumfalken sind außerdem gut an ihrem rasanten Flug zu erkennen.

Lebensraum und Nahrung

Nach dem Turmfalken sind Baumfalken die zweithäufigste Art in Deutschland. Hier kommen sie bundesweit vor, dabei besiedeln sie Wälder, Moorlandschaften und halboffene, strukturreiche Landschaften mit Flächen zum Jagen. Voraussetzung für die Ansiedlung sind auch beim Baumfalken ausreichend alte Nester zur Nachnutzung, insbesondere von Krähen und Elstern.

Der Baumfalke erbeutet seine Nahrung – vor allem Singvögel wie Ammern, Schwalben oder Finken – im Flug. Er nimmt es hier mühelos auch mit ebenfalls geschickten Beutevögeln wie z. B. Mauerseglern auf. Auch große Insekten wie Libellen gehören zum Futterangebot. Wenn er ein Exemplar erbeutet, knipst er ihr meist im Flug mit dem Schnabel die Flügel ab und verspeist sie direkt.

Lebensweise und Fortpflanzung

Der Baumfalke ist ein Langstreckenzieher und verbringt die Wintermonate im südlichen Afrika. Erst im späten Frühling zwischen April und Mai kehrt er wieder in seine Brutgebiete zurück.

Bei Weibchen setzt die Geschlechtsreife bereits mit einem Jahr ein, bei Männchen erst mit drei Jahren. Die Balz beginnt laut Bundesamt für Naturschutz nach der Rückkehr aus den Winterquartieren Mitte April bis Mai, dazu gehören u. a. Flugspiele und gegenseitige Fütterungen. Während der Saison sind Baumfalken monogam, manche Tiere bleiben auch mehrere Jahre lang zusammen. Ende Mai bis Anfang Juni legt das Weibchen zwei bis vier Eier brütet sie 28 bis 31 Tage aus. Die geschlüpften Vögel bleiben 28 bis 34 Tage lang im Nest und werden in dieser Zeit ausschließlich vom männlichen Elternteil mit Nahrung versorgt. Aber auch nach dem Ausfliegen werden sie oft weiterhin gefüttert, da sie sich sehr auffällig verhalten.

Gefährdung und Gefahren

Baumfalken gelten als gefährdet. Gründe sind die Zerstörung der Lebensräume und der damit einhergehende Verlust von Brutplätzen und Nahrung, die moderne Landwirtschaft sowie illegale Abschüsse auf den Flügen zwischen Brut- und Überwinterungsgebiet. Der traurige Schwerpunkt liegt dabei im Mittelmeerraum.

Wanderfalke (Falco peregrinus)

Wanderfalke
Schnell wie der Blitz: der Wanderfalke

Wanderfalken sind kräftiger als Turm- oder Baumfalken. Die Weibchen sind mit etwa 45 bis 51 Zentimetern und einer Flügelspannweite von bis zu 114 Zentimetern deutlich größer als die Männchen. Ihre Oberseite ist schiefergrau, die Unterseite weiß mit dunklen Querbändern. Kehle und Brust sind dunkel gefleckt oder gestrichelt. Typischerweise haben sie weiße Wangen, die von einem dunklen Bartstreif eingerahmt sind.  

Wanderfalken sind die Rekordhalter der Lüfte: Wenn sie ihre Beute, also andere Vögel im Flug, jagen, schießen sie in einem spektakulären Sturzflug hinab und erreichen dabei eine Geschwindigkeit von 320 bis 390 km/h. Damit sind sie die schnellsten Tiere der Welt.

Lebensraum und Nahrung

Der Wanderfalke kommt in allen Teilen Deutschlands vor, der Schwerpunkt liegt im Südwesten. Mit etwa 1.500 Brutpaaren ist er jedoch deutlich seltener als der Turm- oder Baumfalke. Sein Lebensraum liegt im Gebirge und im Flachland, in offenen und locker bewaldeten Gebieten sowie in hohen Gebäuden in Städten.

Seine Hauptnahrungsquelle sind andere Vögel, insbesondere Tauben, Enten und Lachmöwen.

Lebensweise und Fortpflanzung

Wanderfalken werden erst mit drei Jahren geschlechtsreif. Laut Bundesamt für Naturschutz kann die Paarbildung bereits im Herbst stattfinden, die Balz jedoch erst von Mitte Januar bis Ende April. Brutplätze werden typischerweise an steil aufragenden Felswänden, Bäumen oder hohen Bauwerken errichtet; im Nordosten Deutschlands nutzt der Wanderfalke selten auch verlassene Greifvogel- oder Kolkrabennester. Auf unbewohnten Nordseeinseln kommen auch vereinzelt Bodenbruten vor.

Zwischen Mitte März und Ende April legt das Weibchen drei bis fünf Eier, die 32 Tage von beiden Partnern ausgebrütet werden. Die Jungvögel bleiben für etwa 35 bis 42 Tage im Nest und werden in dieser Zeit zunächst nur vom Männchen, später auch vom Weibchen versorgt. Danach werden die Jungvögel flügge, in den ersten vier Wochen folgt die so genannte Bettelflugphase. In dieser Phase fliegen die Jungvögel den Eltern entgegen um nach Nahrung zu betteln.

Gefährdung und Gefahren

Der Einsatz von Bioziden führte laut Bundesamt für Naturschutz in den fünziger Jahren zu einem stark reduzierten Bruterfolg. In der Folge gingen die Bestände stark zurück. Trotz Verbots der Stoffe sind die Eier von Wanderfalken bis heute stark belastet. Bis heute sind außerdem illegale Abschüsse, Vergiftung und Fallenfang ein Risiko für die Population, Forstarbeiten und Freizeitaktivitäten in den Lebensräumen der Wanderfalken führen zu Störungen an ihren Brutplätzen.  Weitere Faktoren, die den Bestand gefährden, sind z. B. Strommasten und Straßen.

Merlin (Falco columbarius)

Merlin
Kein Zauberer, sondern eine Falkenart: der Merlin

Dieser kleine Falke ist mit 26 bis 33 Zentimetern kaum größer als eine Amsel. In der Tat ist der Merlin die kleinste europäische Falkenart. Das zeigt sich auch an seinem Namen: Wer dabei an den berühmten Zauberer denkt, irrt. „Merlin“ kommt vom mittelhochdeutschen Wort „smirlin“, was mit „Zwergfalke“ übersetzt werden kann.

Auch sein lateinischer Name „columbarius“ lässt Rückschlüsse auf sein Äußeres zu. Er bedeutet „der Taubenartige“, da im Flug gewisse Ähnlichkeiten mit einer Taube bestehen. Im Mittelalter galten Merline übrigens als schicke kleine Jagdfalken für Damen.

Zwischen den Geschlechtern gibt es optische Unterschiede. Weibchen sind größer und schwerer als Männchen und haben ein unauffälligeres Gefieder. Ihr Rücken ist braun, die Unterseite hell mit braunen Flecken. Männchen hingegen haben eine blaubraue Oberseite, Unterseite und Nacken sind orangegelb. Die Wange ist mit einem dunklen Streifen geschmückt, das Auge mit einem hellen Strich. Die Schwanzfedern sind am Ende mit schwarzen Bändern verziert.

Lebensraum und Nahrung

Merline bevorzugen eher kältere und subarktische Regionen. Sie brüten v. a. in Skandinavien, Russland, Alaska, Kanada und auf den Britischen Inseln. Hier bevorzugen sie offene Landschaften wie Moore, Tundren, Heiden, leicht bewaldete Kiefer- und Birkenwälder oder die Küste. In Deutschland kommen sie deshalb nur als Wintergast oder auf dem Durchzug im Oktober und November vorbei.

Die Leibspeise des Merlin sind kleine Vögel wie Finken, Lerchen oder Drosseln. Diese erbeutet er im Flug: Er jagt sie von unten immer höher in die Luft, bis sie erschöpft aufgeben. Dann packt er sie mit seinem Falkenzahn – einem Zacken hinter dem Haken des Oberschnabels – im Nacken und tötet sie. Mitunter erweitert er sein Nahrungsspektrum auch um kleine Säugetiere und große Insekten.

Lebensweise und Fortpflanzung

Als tagaktiver Greifvogel ist der Merlin sehr lebhaft, kräftig sowie ausdauernd und fällt laut „Mein schöner Garten“ durch rasante Flugmanöver mit blitzschnellen Wendungen auf. Er ist Einzelgänger und geht nur während der Brutzeit eine monogame Partnerschaft ein. Männchen und Weibchen pflanzen sich hier nicht nur fort, sondern verteidigen auch gemeinsam ihr Revier oder kooperieren bei der Jagd.

Wie ihre Verwandten bauen auch Merline kein eigenes Nest. Sie brüten in verlassenen Elstern- oder Krähennestern, am Boden sowie in Felsnischen. Das Weibchen legt drei bis sechs Eier, die es 30 Tage lang ausbrütet. Nachdem die Jungvögel geschlüpft sind, werden sie noch 28 bis 32 Tage lang von ihren Eltern versorgt.

Gefährdung und Gefahren

Obwohl der Merlin auf der Roten Liste bedrohter Arten steht, gilt der Bestand aktuell als stabil und nicht gefährdet. Die Anzahl der Brutpaare in Europa wird auf etwa 32.000 bis 52.000 geschätzt, weltweit wird von 500.000 bis 2 Millionen Tieren ausgegangen.

Die größten Gefahren liegen – wie für andere Falken auch – in der Pestizidbelastung der Beutetiere und der Zerstörung der Lebensräume, insbesondere durch die moderne Landwirtschaft.

Rotfußfalke (Falco vespertinus)

Rotfußfalke
Gern gesehener Gast: der Rotfußfalke

Diese zierliche Falkenart ist 28 bis 34 Zentimeter groß und hat eine Flügelspannweite von 65 bis 76 Zentimetern. Damit ist sie laut NABU kleiner als eine Taube – kann sich aber ausgesprochen gut gegenüber Krähen behaupten. Männchen und Weibchen sind auffallend unterschiedlich gefärbt: Männchen haben orangefarbene Füße, einen orangeroten Schnabel und Augenring sowie blaugraues Gefieder. Kopf und Brust des Weibchens sind rostgelb, ihr Gesicht ist weiß mit einem schwarzen Bartstreif. Ihre Oberseite ist grau mit dunklen Bändern.

Lebensraum und Nahrung

Rotfußfalken brüten in Ost- bis Südosteuropa, sie überwintern jedoch in Afrika. Ihr bevorzugter Lebensraum sind dort Steppenregionen, offene Landschaften wie Wiesen, Weiden, Felder und Waldränder. In Deutschland wurden seit 2005 keine Brutpaare mehr nachgewiesen, hier sind sie jedoch im Frühjahr und Spätsommer regelmäßig als Durchzügler zu Gast.

Wie andere Falken fängt auch der Rotfußfalke seine Beute bevorzugt in der Luft. Seine Nahrung besteht dabei hauptsächlich aus Insekten, v. a. Heuschrecken, Käfer, Libellen und Schmetterlinge. Für die Aufzucht der Nestlinge werden jedoch auch kleine Säugetiere, Vögel, Eidechsen und Amphibien gejagt.  

Lebensweise und Fortpflanzung

Rotfußfalken brüten häufig in Kolonien, mitunter mit bis zu 100 Brutpaaren. Dabei nutzen sie hauptsächlich verlassene Krähennester, lassen sich aber auch an Felsen, in Nistkästen oder Baumhöhlen nieder. Brutzeit ist von Mai bis September, das Weibchen legt dabei drei bis fünf Eier, die es 22 bis 28 Tage ausbrütet. Die Jungvögel verbleiben noch für 26 bis 30 Tage im Nest und werden dann flügge.

Gefährdung und Gefahren

Obwohl Rotfußfalken laut „avi fauna“ nicht besonders anspruchsvoll in ihrer Nahrungsauswahl sind, hat die großflächige Zerstörung ihrer Lebensräume – und der damit verbundene Rückgang an Beutetieren – zu einem dramatischen Rückgang der Bestände in Europa geführt. Da sie in Deutschland nur als Zugvögel geführt werden, tauchen sie nicht in der Roten Liste der gefährdeten Arten auf.

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